Segeln

Elba-Törn

Der erste Absegler: entstanden 1987 nach einem Elba-Törn. Aus der gedruckten Form ist eine Internet-Ausgabe entstanden(gekürzt). Ich hoffe, daß er trotz seines Alters noch interressierte Leser findet.

Endlich ging es los. Mein erster richtiger Trip auf dem Wasser. Ziel Elba-Korsika. Meine bisherigen Segelerfahrungen beschränkten sich auf Binnenseen und Jollen. Wir, das heißt Roland, Jörg, Eva, Wibke, Rike und Ich, Markus, hatten uns eine Show 29, eine italienische Yacht gechartert. Wir hatten einfach auf eine Anonce in der „Yacht“ geantwortet. Das Boot hieß Justitia II und war 9m lang. Hier im Hafen vonBastia.

Im frisch gekauften Logbuch stand schon auf der ersten Seite ein aufmunternder Spruch von Joseph Conrad:
Wer das Alter der Erde erfahren will, der schaue bei Sturm auf dieSee. Das Grau dieser unermeßlichen Oberfläche, die Windfurchenauf dem Antlitz der Wogen, die riesigen Massen hin-und hergeschleuderter, wallender Gischt, die weißem Greisenhaar gleichen, lassen die Seeim Sturm ehrwürdig alt, glanzlos, matt und stumm erscheinen, als wäresie noch vor der Schöpfung des Lichtes erschaffen worden.

Zum Glück gab es am 20.07.87 in Castelione della Poscaia, einem kleinen Hafen am italienischen Festland gegenüber Von Elba kein anzeichen von Sturm. Nach einer langen Fahrt im geliehenen Kombi, in Erwartung eines Super 12-Tage-Törns standen wir an der Pier und hielten fleißig Ausschau nach „unserem“ Boot. Nichts zu sehen. Nach ein paar Stunden wartens wurden wir zusehends ungeduldiger.Unerwünschte Fantasieen von geprellten Charterern, Landurlaub und ähnlichesplagten uns, als endlich 4h nach dem vereinbarten Zeitpunkt das langersehnteBoot eintraf. Gleich lernten wir die erste Lektion. Wie beim Jollensegelnkommt man immer später an als man denkt.

Nach der unvermeidlichen Einführung, dem Bootscheck zog es uns raus auf’s Wasser. Nach einigen Testmanövern befanden wir, daß das Boot gut lief (wir hatten bisher ja kein anderes zum Vergleich), daß der Wind gut wäre, daß Elba in Sicht und der Kurs dorthin abgesteckt ist, daß es einfach an der Zeit ist, rüberzusegeln. Teile der Mannschaft befiel leichte Übelkeit, die lange Auto-Fahrt, der wenige Schalf forderten ihren Tribut. Doch nach einigen Stunden ließ der Wind nach, wir kamen in Elba an und ankerten in einer großen Bucht im Süden von Elba. Das war großartig. Wir hatten es geschafft. Gestern noch im „oden“ Germany, jetzt sanft schaukelnd in einer Bucht.

Am nächsten Tag ereilte uns dann das Sommer-Mittelmeer-Schicksal: kein Wind. Träge bummelten wir an der Küste Elbas entlang Bloß kein Streß, kein lauter Motor. Die Genua ausgebaumt dümpelten wir mit 0.1kn. Die gesamte Crew wurde schläfriger. Die Hitze zwang uns in die wagrechte. Plötzlich ein lauter Schlag. Alle schreckten auf. Ein Hauch Wind hatte die dösende und schlafende Crew daran erinnert, daß es auf den Wasser keine ruhige Minute gibt. Ein Hauch Wind kamaus der „falschen“ Richtung und hatte den Ausbaumer abgerissen. Vielleicht war das Opfer an Neptun nicht ausreichend gewesen?

Der leichte Wind um 1-2Bft setzte sich auch am dritten Tag, 22.07.97 fort. Durch den zeitigen Aufbruch im 07:30 schafften wir es dennoch bis Bastia(Korsika) ohne Motor und vor dem Dunkelwerden. Was für ein Hafen. Eine großealte Stadt, ein uralter Hafen. Eine großartige Kulisse mit den Korsischen Bergen, die die Stadt einrahmen und gelegentlich für sehr starke Fallwinde vom Land her sorgen, vor allem wenn der Mistral stark weht. Wir befanden, daß ein gutes Restaurant jetzt angemessen wäre und machten Bekanntschaftmit der Korsischen Küche. Der französischen sehr ähnlich sind die Korsen doch ständig darauf bedacht sich Abzugrenzen um eine eigene Kultur zu beweisen.

Weiter gings nach Maccinaggio und an die West-Küste von Korsika. Noch hatte ich den Traum von der Korsika-Umrundung nicht aufgegeben. Doch nach längerer Diskussion mußte auch ich einsehen, daß der Wind nicht gerade üppig ist. Und auf Motoren hatten wir alle keine Lust. Also ließen wir es ruhig angehen, Korsika-Umrundung Adee.

Am nächsten Tag war es mit der Ruhe vorbei. 26.07.87 Auffrischender Wind aus West. Schnell auf 4Bft, dann 5Bft. Längst hatten wir den schönenAnkerplatz aufgeben müssen. Wir sind schon auf Kurs zum Schutzhafen Maccinagio. Der Wind nimmt weiter zu. 13:00 alle Reffs sind eingebunden, die Fock nur noch Handtuchgroß. Teile der Crew wollten sofort!! an Land!! Wir haben Glück. Gerade als die Rundung des Cap Corse ansteht, gibt sich der Wind eine kleine Pause und läßt uns herumschlüpfen, um dannach mit genesener Stärkeloszurauschen. Langsam suchen auch die großeren Schife und Frachter Schutz in der Bucht von Maccinaggio, Ankern dort auf Reede um bei Besserung das Cap zu runden. Wir sind froh, noch so eben in den Hafen kriechen können. Denn Motoren gegenan ging nicht. Der 8PS starke? Motor schaffte das nicht. Wir hatten gegenan zu kreuzen. Noch einige Duschen und dann waren wir im geschützten Hafen.

Zum Glück hielt der Spuck nicht lange an und wir konnten schon am nächsten Tag weitersegeln. Ziel Capreia. Gefängnisinsel. Die Schäden am Segel waren beseitigt. Das Gas war aufgefüllt, die Entlüftung des Wassertankes repariert, die Positionslichter wieder unter Strom gesetzt. Ao konnten wir nach einem ruhigen erholsamen schönen, romantischen Segeltörn in Capreia in dritter Reihe im Hafen ankern.

Das Wasser glasklar. Jeder Anker ist zu sehen. Nach Zahlung von 2000 Lire wird uns auch der Wassertank gefüllt. Wir finden die Insel „sehr“romantisch.

Leider näherte sich unser Törn nun unweigerlich dem Ende. Nach Capreia segelten wir zurück nach Elba, von dort ans Italienische Festland zurück. Natürlich mit dem festen Vorsatz mit ein wenig mehr Zeit und einem eigenen Boot dieses wunderbare Revier genauer zu erkunden.
MarkusFrey 1987

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